Nach stundenlanger Sichtung der viel zu viel aufgezeichneten Videostunden gibt’s jetzt endlich das Video zum La Palma Trip.

Finally, after endless scanning of the way too extensive video-material, the clip from our La Palma trip is now available.

La Palma: STOP dem Flow

Stop dem Flow! Eine Trainingswoche mit Peter, Georg und Christoph oder die ehrliche Seite der Isla Bonita. [english version available]

Überall dichter Nebel, wie man sich ihn auf See vor den Highlands vorstellt. Dazu schroffer Wind, der uns fast von der Caldera-Kante in den Krater schert. Und Temperaturen unter Null, die unsere Finger klamm werden lassen und das Bremsen unkontrollierbarer machen. Nein, keine Winterausfahrt mit dem Bike in unseren Breiten. Wir befinden uns auf den Kanaren, auf La Palma, am Weg von Pico de la Nieve (2232m) zum Strand (0m). Die Wahl fiel nicht zuletzt auf La Palma aufgrund fantastischer Videos wie „Dusty Days“ und einem hervorragend produzierten Bericht im BIKE Magazin (10/2011). BIKE beschreibt unsere gegenwärtige Situation wie folgt: „Mal technisch, mal flowig, führt uns der Panoramaweg die nächsten eineinhalb Stunden wechselnd bergauf und bergab am Caldera-Kamm entlang, einige kleinere Schiebe-Passagen inklusive.“ SIC! Rund 500 Höhenmeter an kleineren Schiebepassagen haben wir uns auf über 2000 Metern gegönnt. Als wir dann endlich die Schwerkraft zu unseren Gunsten ausspielen können, folgt die nächste Ernüchterung: entweder wir sind fahrtechnisch extreme Schwammerl oder BIKE bindet uns den nächsten Bären auf. Nach ein paar Metern zum Rollen folgen ausgesprochen schwierige Passagen, viele ohne Absteigen nicht zu meistern. Wir sind uns einig: vom Priel-Schutzhaus runter zu fahren wäre ein leichteres Unterfangen. „… einer der sieben definitiv schönsten Trails der Welt. Der Pico-Ovejas-Trail ist die Inkarnation eines Holy Trails, ein in die Landschaft gezaubertes Manifest des Flows.“ Jaja, eh schon wissen. Das Wetter wird nicht besser, wir wollen nur noch runter und nehmen den Notausstieg: den Königsweg. Der führt relativ steil und ausgesetzt nach unten und ist bei feuchter Witterung mit seiner kopfgroßen Pflasterung und den reifenbreiten Abständen nicht die beste Wahl. Wanderer, die sich bereits beim Aufstieg plagen, fragen uns ernsthaft ob wir eh eine gute Versicherung abgeschlossen haben.

Einige Höhenmeter vor unserem Hotel verlassen wir den von BIKE vorgeschlagenen Pfad und folgen einem GPS-Track, den wir von Georgs Arbeitskollegen bekommen haben. Anfangs immer mit 3-5 Metern Abweichung, bis wir des Rätsels Lösung erkennen und ins Bachbett abbiegen und dort einen erstarrten Lava-Fluss entdecken, der sich fährt, als wären wir auf Schleifpapier unterwegs. Endlos viel Grip und flowig wie erstarrtes Wasser. Ätsch-Bätsch BIKE – den kennt ihr wohl nicht!

Obwohl wir uns im Vorfeld über die „Isla Bonita“ informiert hatten, wurde Peter, Georg und mir erst im Landeanflug richtig klar wie steil dieses Stück Vulkanspitze eigentlich aus dem Atlantik ragt. Von unserem Startpunkt Puerto Naos (direkt am Meer) kann man halbwegs eben nur einen einzigen Ort (El Remo) erreichen. Dann ist Schluss mit lustig. Wer weiter will, muss die erste Steilkante mit 300 Metern überwinden. Die ersten Trials beginnen bei ca. 400-500hm, sobald man die zahlreichen Bananenplantagen hinter sich gelassen hat. So kommt es auch, dass wir bereits am ersten Tag bei einer „kleinen“ Runde mit unseren Scott Genius Leihbikes (150mm) von der Bike-Station rund 1.400 Höhenmeter kurbeln. Am zweiten Tag sind es dann über 1.600hm. Immer mit sehr schwierigen Abfahrten. Das viel zitierte Flow-Erlebnis will sich ob der vielen Trage-/Schiebepassagen nicht einstellen. Am Abend des zweiten Tages sind wir derart platt, dass wir beschließen den nächsten Tag auf den Pico zu Shutteln, um oben beschriebenes Debakel zu erleben. Der einzige Lichtblick an diesem Tag: unser Taxifahrer Roberto, der uns am liebsten im warmen Auto bis auf den Gipfel gefahren hätte.

Tag 4 bringt den heiß ersehnten Ruhetag. Mangels Programm im kleinen Dörfchen Puerto Naos schwingen wir uns auf Hardtails und kosten uns auf 700 Höhenmetern durch das kulinarische Programm von La Palma: Kaffee in Tazacorte, Essen in Puerto Tazacorte und Kaffee und Eis in Los Llanos. Richtig entspannt haben wir zum ersten Mal am Abend Kraft und Muse um auszugehen. Das Unterhaltungsprogramm ist eingeschränkt, dafür aber umso ausgefallener: Transen-Playback-Show im Promenaden-Kaffee.

Da uns am nächsten Tag unsere reservierten Scott Genius in der Bike-Station verwehrt werden, schwingen wir uns wieder auf die Hardtails und radeln auf der Straße gen Süden. Diese beginnt allerdings 700 Höhenmeter über Puerto Naos. Dort nehmen wir die „flowigen Traum-Trails in schwarzgrauer Vulkanlandschaft“ unter die Räder. Nur zur Info: in Vulkanasche fährt es sich ca. so wie in einer rießengroßen locker fluffigen Sandkiste. Oder jahreszeitengerechter: wie im schweren, nassen Tiefschnee. Genau: das Rad macht was es will und das Fahren wird zur 1A-Gleichgewichtsübung. Nach 1.800 Höhenmetern an diesem Tag beschließen wir es an unserem letzten Rad-Tag in La Palma nochmals mit Shutteln zu versuchen.

Wir wollen auf den höchsten Vulkan: den Roque de los Muchachos. Vor dem Trail an der Kraterkante wurden wir in der Bike-Station gewarnt. Der sei noch schwieriger als der vom Pico herunter. Naja, wenn schon der Weg schlecht ist, haben wir wenigsten als Erheiterung eine Taxifahrt mit Roberto. Unsere Scott Ransom Bikes (160mm Federweg) passen perfekt in den weißen Hyundai Bus. Mit Roberto unterhalten wir uns ausgesprochen gut und er scheint die Gesellschaft seiner Fahrgäste ebenso zu genießen. Bevor es richtig raufgeht auf den Roque, biegt er zur nächsten Tankstelle und lädt uns alle auf Kaffee und Cola ein. Roberto, der ehemalige DC-3-Pilot fliegt bei Kaiserwetter durch die endlosen Serpentinen auf 2.426 Höhenmeter hinauf, wartet dann seelenruhig bis wir unsere Räder wieder zusammengebaut haben und macht sich erst auf den Rückweg, als auch wir aufbrechen. Das Panorama vom Roque ist grenzgenial und entschädigt für die Strapazen der letzten Tage. Sogar der Teide auf Teneriffa ist zu sehen. Wir machen uns auf, mit unseren Panzer-Bikes direkt an der Kraterkante 2.400 Höhenmeter bis zum Meer nach Puerto de Tazacorte zu schieben, denn die Erwartungen an die Trails hier sind ziemlich am Boden. Aber unverhofft kommt oft und wir befinden uns auf dem schönsten Weg der ganzen Insel. Besonders das flüssige Stück vor dem Torre del Time könnte ich küssen und immer wieder fahren. Ein echtes Traumerlebnis, dass erst nach ca. vier Stunden bei einer Nachspeise an der Promenade von Puerto de Tazacorte direkt am Meer endet.

Aha-Effekts:

  • Lava-Gestein schneidet sich recht gut durch die menschliche Haut.
  • In einem Punkt können wir BIKE positiv widerlegen: “Der Touren-Reifen, der La Palma die Karkasse bieten kann, muss erst noch komponiert werden.” Obwohl wir teilweise auf Slick-artigen Nobby Nics unterwegs waren, hatten wir keinen einzigen Platten. Dafür haben wir etliche Bremsbeläge, einen Schaltzug und zwei Speichen zerstört.
  • 150mm-Federweg sind auf dieser Insel zu wenig.
  • Ohne Shutteln geht’s echt nicht.
  • La Palma ist absolut nichts für Anfänger. Als Training kann man ja mal sein Bike auf die Kremsmauer schleppen und von dort runterfahren.
  • Peter ist der effektivste Serpentinen-Fahrer: er schafft sogar zwei auf einmal.
  • Am Morgen fragen uns immer alle nach unseren “Porno Dias”
  • Wie man in BIKE sieht, ist es möglich einen umfangreichen Bericht zu schreiben, ohne einmal selbst dort gewesen zu sein. RESPEKT!

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Moschee in Graz

Ein Gebäude sorgt für Aufregung. Dabei ist diese gar nicht notwendig, wie Architekt Gerhard Springer findet. [sorry, only available in german]

so pompös wird die Moschee in Graz nicht aussehen

Am 26. November 2011 habe ich mich mit Gerhard Springer über sein neuestes Projekt, eine Moschee in Graz, unterhalten. Dass dieses Thema solche Wellen schlägt, kann er nicht nachvollziehen. Seine, sehr nüchterne, fast distanzierte, Ansicht dazu im Interview. Ausschnitte liefen bereits auf Radio Steiermark. Der Großteil des Gespräches jetzt zum Nachhören.

Interview mit Gerhard Springer, Architekt der Grazer Moschee

istanbul

shikadem, shikadem! – wollte mir schon zwei Wochen vor Abflug nicht mehr aus meinem Kopf gehen. [english version available]

Hagia SophiaDas war so ziemlich alles was ich mit der Millionensiedlung am Bosporus verband. Istanbul ist aber eine dicke Empfehlung wert. Multikulturell und aufgeschlossen, aber auch ganz traditionell und orientalisch. Wie man es gerne haben möchte. Fad wird einem nicht. Nach einer Woche fühlt man sich als wolle man als Kolumbus Amerika zu Fuß in drei Tagen erkunden. Ein paar Highlights:

  • Turkish Airlines rulez („we are turkish airlines – we are globally yours!“)
  • Biste Deutscher, kannste durch! Bist Österreich, brauchst a Visum!
  • Istanbul wurde definitiv in Age of Empires entworfen.
  • Kava und Balik Ekmek schmecken besser auf der Galata-Brücke.
  • Tipp für den handwerksaffinen Mann: Baumarkt-Viertel in Karaköy.
  • Pistazien und Cashews vom ägyptischen Bazar: nimm’ so viel du kriegen kannst!
  • Vergiss die Blaue Moschee – geh’ in die Süleymann Cami.
  • Öffis (inkl. Fähren) sind immer günstig (weniger als einen Euro).
  • Nimm dir Zeit und noch mehr Ausdauer für den Topkapi Palast.
  • Kann man denen alle Exponate glauben? Stab des Moses? Hand von Johannes dem Täufer?
  • Nimm dir ebenso viel Zeit und Ausdauer für das archäologische Museum.
  • Ayran ist also Buttermilch.
  • Jeder der im Winter keinen schwarzen Stoffmantel trägt ist ein Tourist.

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webcam

Erweiterte Momentaufnahme an einem Dezembermorgen (09:09 – 09:18 Uhr) am Grazer Hauptbahnhof: [sorry, only available in german]

In den Geschäften am Bahnhof herrscht bereits reger Betrieb. Alles hell erleuchtet, Menschen strömen aus und ein. Das Angolo, spezialisiert auf Lederwaren und Reisegepäck, nahe dem Zentrum des Hauptbahnhofs, liegt zu dieser Zeit dunkel, gleich einem Ruhepol, inmitten des geschäftigen Treibens. Unvermittelt tritt eine hagere Frau im schwarzen Mantel in den Fokus, bleibt vor dem Geschäftslokal mit der Nummer 279A stehen. Sie unterscheidet sich kaum von anderen Reisenden oder Passanten, die sich zu dieser Uhrzeit am Bahnhof aufhalten. Mit einem dicken Schlüsselbund macht sie sich daran, die etwas widerspenstigen Schlösser der Glastüren zu öffnen. Nur die unteren. Die oberen Verschlüsse liegen außerhalb ihrer Reichweite und sind zu ihrem Glück nicht versperrt. Die Hürde der Türen gemeistert, wirft sie einen skeptischen Blick in das Innere des Ladens. Koffer und Taschen türmen sich darin. Wie eine Masse, die in ein Gefäß gefüllt wurde, nun aber erstarrt ist und das gesamte Volumen für sich in Anspruch nimmt. Die großgewachsene Frau kämpft sich durch das Gewühl in Richtung Verkaufspult, tappst im schwachen Schein der gegenüberliegenden Leuchtreklame umher und findet schließlich einen Schalter. Ein rustikaler Baustellenscheinwerfer erhellt den Ladentisch. Die Frau, noch immer in Winterkleidung, mit dickem Mantel und einer Haube, unter der ihre blond gefärbten Haare zum Vorschein kommen, verschafft sich im beengten Verkaufsraum Platz. Sie schiebt zwei schwere Rollständer, vollgepackt mit Ledertaschen für den Einheitspreis von 15,- Euro auf den Flur vor das Geschäft. Aus dem Chaos im Geschäft wird dadurch bestenfalls ein geordnetes Chaos. Für eine strukturierte, aufgeräumte Ladengestaltung ist der Bestand an Taschen, Reisekoffern, Gürteln und Geldbörsen schlichtweg zu üppig, zu übermäßig. Die blonde Frau mit dem dunklen Teint hat ihre Vorbereitungen abgeschlossen und den Wintermantel abgelegt. Sie macht es sich auf einem Hocker hinter der Kassa gemütlich.Ein Saftpäckchen mit kurzem Strohhalm, an dem sie zu nuckeln beginnt, und ihre legere Haltung unterstützen den Eindruck, dass sie wohl einen ruhigen Tag erwartet.

graZIBor 2012: fixedORfreaked

“fixedORfreaked” – das waren die vorgaben für den ersten bike-ride von graz nach maribor, kurz graZIBor, genannt. in zweierteams starteten die singlespeed-, hochrad-, liegerad- und vintage-biker in den kalten aber sonnigen vormittagsstunden am samstag, 28. jänner 2012. ziel ist es der bike-community in der kulturhauptstadt 2012, maribor, etwas aus dem dornröschenschlaf zu helfen: mehr dazu!

snapshot

Momentaufnahme an einem Dezembermorgen am Grazer Hauptbahnhof: [sorry, only available in german]

Sie steht einfach da, die ältere, unauffällig dunkel gekleidete Frau, stoisch, statisch und mit unbewegtem Gesichtsausdruck will sie gar nicht freundlich aussehen, wartet, ihr Umfeld nicht beachtend – auch sie erregt keine Aufmerksamkeit – lediglich die glänzenden Ohrringe und der lachsfarbene Schal vermitteln einen Hauch Menschlichkeit, die Frisur aufgeplustert wie ein Pfau, wartet Sie, ohne ersichtlichem Grund.

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